Akne und Ernährung

Es ist überholt zu glauben, dass Akne rein genetisch bedingt ist und man gegen dieses unfaire Schicksal nichts unternehmen kann.

Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Akne in nicht westlich geprägten Gesellschaften erheblich geringer bis gar nicht auftaucht. Dies zeigte sich besonders bei Menschen auf der Kitava-Insel in Papua-Neuguinea, auf Okinawa in Japan, bei den Aché in Paraguay oder den Inuit (Eskimo).

Sobald diese Menschen jedoch einen westlicheren Lebensstil annahmen, stieg die Anzahl der Aknefälle signifikant an.

Dies impliziert, dass externe Umweltfaktoren entscheiden, ob Akne ausbricht oder nicht. Dieses Phänomen wird als Epigenetik bezeichnet. Manche von uns haben eine genetische Veranlagung (Prädisposition) für Akne, der Schweregrad des Ausbruchs ist jedoch abhängig von der Ernährungsweise sowie der Stress- und Schadstoffbelastung des Körpers im Alltag.

Im Allgemeinen entsteht Akne durch das Zusammenspiel der folgenden drei Faktoren:

  • Verhornungsstörung: Hierbei handelt es sich um eine massiv gesteigerte Zellteilung der Epithelzellen im Talgdrüsenfollikel. Aufgrund der hohen Zellteilungsrate können die Zellen nicht mehr richtig abgestoßen werden und verstopfen so den Follikelkanal.
  • Anstieg der Talgproduktion: Problematisch wird die erhöhte Talgproduktion, wenn verschiedene Bakterien die Neutralfette des Talgs in freie Fettsäuren zersetzen. Diese freien Fettsäuren wirken komedogen.
  • Übermäßige Besiedlung des Follikels durch Propionibacterium acnes:. Aufgrund des verstopften Talgdrüsenfollikels und des Überangebots an Talg entsteht ein anaerobes Milieu, in dem sich P. acnes explosionsartig vermehren kann. Hierdurch wird eine Entzündungskaskade in Gang gesetzt.

Es ist richtig, dass eine androgene Abhängigkeit von Akne besteht. Androgene sind unsere männlichen Geschlechtshormone Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT). Es gibt allerdings einen Widerspruch: So steigt der Androgen-Serumspiegel während der Pubertät an. In dieser Zeit bekommen die meisten Jugendlich auch ihre ersten Pickel. Der höhere Androgengehalt im Körper bleibt über mehrere Dekaden hinweg bestehen und trotzdem verheilt die Akne bei vielen Erwachsenen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der IGF-1-Serumspiegel (Insulin-like growth factor 1) deutlich besser mit dem klinischen Verlauf der Akne korreliert als der Androgenstatus.

Ohne IGF-1 keine Akne

So haben Zwergwüchsige mit dem Laron-Syndrom einen IGF-1 Mangel. Diese Menschen haben niemals Akne. Wenn man ihnen aber künstlich IGF-1 zuführt, tritt auch bei ihnen Akne auf.

Die Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Bodo Melnik verdeutlichen eindrucksvoll, wie IGF-1 in unserem Körper über mehrere Mechanismen für die erhöhte Produktion von Keratinozyten und Talg verantwortlich ist. 

Was ist überhaupt IGF-1?

IGF-1 ist unser stärkstes Wachstumshormon. Dieses Hormon wird in der Leber gebildet oder kann extern über die Nahrung aufgenommen werden. Es wirkt stark anabol und reduziert die gewünschte Apoptose von Zellen.

Wie wirkt IGF-1?

IGF-1 verstärkt die Wirkung androgener Signalkaskaden (Abb. 1):

  • IGF-1 stimuliert die Produktion von Testosteron in unseren Geschlechtsorganen
  • IGF-1 fördert die Umwandlung von Testosteron zu DHT durch Aktivierung der 5-α-Reduktase. DHT hat eine stärkere Wirkung, da es eine höhere Bindungsaffinität zu den Androgenrezeptoren in den Talgdrüsenfollikel aufweist.
  • IGF-1 verursacht, dass das FoxO1-Protein den Zellkern verlässt. FoxO1 ist ein Hemmstoff, der verhindert, dass der Androgenrezeptor aktiv wird. Prof. Dr. Bodo Melnick fand heraus, dass IGF-1 den Androgenrezeptor erst „scharf schaltet“.
  • IGF-1 erhöht die Talgproduktion. Durch die FoxO1-Abschaltung wird die sebozytäre Lipogenese (Talgbildung) in den Zellen in Gang gesetzt. Dabei werden die lipidogenen Transkriptionsfaktoren SREBP1 und PPARγ aktiv.
  • IGF-1 aktiviert die Kinase mTORC1 (mechanistic target of rapamycin complex 1). mTORC1 ist der Zentralschalter für Zellwachstum. Unter anderem aktiviert mTORC1 die Bildung von SREBP1 und PPARγ und erhöht somit die Talgproduktion. Die Zusammensetzung des Sebums wird zudem verändert - der Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren nimmt zu. Die Zunahme und Veränderung des Sebums führt zu einer explosionsartigen Vermehrung von P. acnes. Dieses Bakterium produziert eine Lipase, die die Konzentration an freien Fettsäuren (Palmitinsäure und Ölsäure) in der Haut erhöht. Freie Palmitin- und Ölsäuren lösen eine Entzündungskaskade aus (über Interleukine) und führen zu einer gesteigerten Zellteilung (Verhornungsstörung).

Abb. 1: Auswirkung von IGF-1 und mTORC1 auf den Talgdrüsenfollikel. AR = Androgenrezeptor, 5αR = 5-α-Reduktase, DHT = Dihydrotestosteron, KH = Kohlenhydrat. nach Melnik 2014. 

Warum haben einige Menschen Akne und andere nicht?

Der IGF-1 Serumspiegel ist besonders während der Pubertät erhöht und fällt danach ab, so dass die Androgen-Sensitivität des Rezeptors in den Talgdrüsenfollikel abnimmt.

Die Empfindlichkeit der Rezeptoren für Androgene ist genetisch bedingt. Die Empfindlichkeit wird jedoch durch IGF-1 verstärkt. Aus diesem Grund ist es besonders für Aknebetroffene wichtig, den IGF-1 Level möglichst niedrig zu halten.

Welche Nahrungsmittel erhöhen die IGF-1- und mTORC1-Aktivität?

1. Hyperglykämische Kohlenhydrate

Hyperglykämische Kohlenhydrate verursachen eine erhöhte Insulinausschüttung. Hyperinsulinämie löst eine Hormonkaskade aus: sie erhöht die Produktion von IGF-1 in der Leber und vermindert die Konzentration von IGF-1-Bindungsproteinen. Dadurch erhöht sich der Gehalt an frei zirkulierendem IGF-1. Des Weiteren fördert sie die Bildung von Testosteron und SREBP1 (, was wiederum die Talgproduktion aktiviert).

Zu den hyperglykämischen Kohlenhydraten gehören z. B. Zucker, Nudeln, Reis, Weißbrot, Süßigkeiten und Softdrinks. Eine Liste von hyperglykämsichen Kohlenhydraten findest Du hier.

Glykämischer Index vs. Food- Insulin-Index

Der glykämische Index (GI) beschreibt die Blutzuckerwirkung des Kohlenhydratanteils eines Lebensmittels. Ein besserer Indikator für uns ist jedoch der Food-Insulin-Index (FII). Dieser beschreibt die Auswirkung von Lebensmitteln auf den Insulinspiegel und berücksichtigt so auch die Wirkung von Proteinen. Es ist vielen unbekannt, dass Insulin nicht nur Glukose in die Zellen schleust, sondern auch für die Aufnahme von Aminosäuren verantwortlich ist. Neben Kohlenhydraten mit hohem GI wirkt sich somit auch tierisches Protein in hohem Maße insulinogen. Die höchste Insulinwirkung haben Mahlzeiten aus Kohlehydraten mit hohem GI und tierischem Protein aus Fleisch und Milch.

Es gibt, wie bei den Kohlehydraten, auch Proteine, die den Insulinspiegel sowohl schnell als auch langsam erhöhen. Besonders Milchprodukte gehören zu den schnellen Proteinen, die eine hohe Insulinantwort auslösen.

Hier ein Vergleich an Nahrungsmitteln:

GI = Glykämischer Index, GL = Glykämische Last, FII = Food-Insulin-Index.

So ruft eine Kombination aus Steak mit Kartoffeln eine fast doppelt so hohe Insulinantwort hervor als ein Gericht aus Pasta und Linsen.

Eine Studie hat gezeigt, dass der IGF-1-Serumspiegel bei Veganern um 13 % niedriger als bei den Mischköstlern lag. Die Konzentration an Bindungsproteinen für IGF-1 war bei den Veganern 20-40 % höher als bei den Mischköstlern und Vegetariern. Dies bedeutet, dass Veganer weniger frei zirkulierendes IGF-1 aufwiesen.

2. Milch und Milchprodukte

Kuhmilch ist für Kinder teilweise, für Erwachsene jedoch gänzlich ungeeignet. Sie ruft eine starke Insulinantwort hervor, enthält IGF-1, stimuliert in unserem Körper deren Synthese und aktiviert anabole, prokanzerogene Zellsignalwege, wie mTORC1. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Milch das Risiko für unterschiedliche Krebsarten erhöht und die Entstehung von Allergien, Autoimmunerkrankungen, Arteriosklerose und Akne begünstigt.

Milchkonsumenten haben eine um 20% höhere IGF-1-Blutspiegel als Menschen ohne Milchkonsum.

3. Gesättigte Fette

Milch und Fleischprodukte liefern gesättigte Fettsäuren, wie die Palmitinsäure. Eine Studie hat gezeigt, dass Palmitinsäure mTORC1 aktiviert, während Omega-3-Fettsäuren diese hemmt. Ebenfalls wurden Transfette, wie in vielen Fertigprodukten verwendet, als Auslöser von Akne identifiziert.

4. Leucinreiche Lebensmittel

Tierische Proteine wie Fleisch und Milch enthalten reichlich an Aminosäure Leucin. Leucin ruft eine starke IGF-1-Antwort hervor und aktiviert mTORC1. Zwischen 1950 und 2010 hat sich die Zufuhr von Leucin durch tierische Produkte in Deutschland verdreifacht.

Leucin dient nicht nur als Baustoff für Proteine, sondern kann im Körper in Lipide (Fettsäuren und Cholesterin) umgewandelt werden. Leucin wirkt sich demnach zweifach negativ auf das Entstehen von Akne aus:

  1. Leucin aktiviert mTORC1 und damit die Talgproduktion in den Drüsen.
  2. Die Talgdrüsen können Leucin als Bausubstanz für die Talgbildung verwenden.

Vergleich von Lebensmitteln in Bezug auf ihren Leucingehalt:

Es ist zu beachten, dass isoliertes Sojaprotein ebenfalls reichlich Leucin enthält.

Akne als Lebensretter

Eine erhöhte Aktivität von mTORC1 ist mit vielen Erkrankungen assoziiert: Übergewicht, Diabetes Typ II, Krebs und neurogenerativen Erkrankungen.

Abb. nach Melnik 2012

Akne ist ein Warnsignal unseres Körpers, um uns vor Schadstoffen zu schützen. Es gibt nichts Auffälligeres als die roten Pusteln im Gesicht. Das hat unser Körper schon recht schlau gemacht. Wenn man jedoch diese rote Blinkanlage ignoriert, überschminkt oder mit Medikamenten unterdrückt, können schwere und tödlich verlaufende Krankheiten die Folge sein.

Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass Akne mit Krebs (vor allem Prostatakrebs) korreliert. Dies impliziert, dass der Auslöser für Akne (IGF-1 und mTORC1) auch das Risiko für Krebs erhöht.

Akne verursacht einen enormen Leidensdruck. Diese Energie kann man dazu nutzen, seinen Lebensstil zu verändern. Viele Menschen ohne Akne haben diesen Motivationsschub nicht und können dadurch zerstörerische Gewohnheiten sehr schwer ablegen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich meine Ernährung ohne Akne nicht umgestellt hätte. Somit hat Akne vermutlich meine Lebenszeit verlängert und mich vor schlimmeren Erkrankungen in der Zukunft bewahrt.

Was können wir tun?

Eine Ernährungsumstellung auf eine pflanzenbasierte Kost mit vielen Vitalstoffen ist der wichtigste Schritt. Pflanzliche Lebensmittel haben in der Regel eine geringe Insulin- und IGF-Antwort zur Folge. Zudem ist es wichtig, komplett auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Fertigprodukte mit vielen gesättigten Fettsäuren, raffiniertem Zucker und Transfetten sollten gar nicht konsumiert werden. Lebensmittel mit hohem Leucingehalt (Fleisch, Milch) können ebenfalls Akne hervorrufen.

Hilfreich ist zudem die Supplementierung mit Zink, mit den Vitaminen D, A und E und Omega-3-Fettsäuren. Resveratrol, Epigallocatechingallat EGCG (aus grünem Tee), Cucurmin (aus Kurkuma) und sekundäre Pflanzenstoffe aus Kohlgemüse hemmen die Aktivität von mTORC1.

Um ganzheitliche und natürlich Akne loszuwerden, müssen zudem die Darmbarriere regeneriert und Ausscheidungsorgane gestärkt werden. Die Entgiftung der Körpergewebe ist essentiell, damit die Körperzellen Schadstoffe effektiv ausscheiden und mit Nährstoffen versorgt werden können. Nur so können Entzündungen vorgebeugt werden. Zudem ist die richtige und sanfte Hautpflege bedeutend.

In meinem Einzel-Coaching „Für eine schöne Haut – endlich frei von Akne“ gehen wir alle Schritte gemeinsam durch. Dabei informiere ich Dich darüber,

  • welche Ernährungsweise die richtige ist,
  • welche Lebensmittel deine Haut braucht,
  • wie Du Deinen Körper richtig entgiftest und Schadstoffe minimierst,
  • welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind,
  • welche Pflegeroutine den Heilungsprozess beschleunigt, und
  • wie du deine Motivation aufrecht halten kannst.

Bald geht auch mein Online-Kurs für schöne Haut online.

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