Was Sie vor dem Verzehr von Fisch wissen sollten!

Jeder Deutsche konsumiert im Mittel etwa 13,5 kg Fisch pro Jahr (Stand 2017). Zu den beliebtesten Speisefischen gehören Lachs, Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Kabeljau. Der Fisch ist eigentlich ein gesundes Lebensmittel mit vielen essentiellen Nährstoffen wie Proteinen, Vitaminen (Vitamin D),  Mineralien (Selen, Jod, Eisen) und die biologisch aktivsten mehrfach ungesättigten Omega–3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren soll sich gesundheitsfördernd auf das Herz-Kreislauf-System, die Entwicklung des Zentralnervensystems und des Sehvermögens auswirken. Auf Grund der ausgeprägten Gehirnentwicklung sollen besonders Schwangere, Stillende und Kinder ausreichend mit EPA und DHA versorgt sein. Fisch stellte bisher die Hauptquelle dieser wichtigen Nährstoffe dar. Heutzutage wird jedoch der Verzehr von Fisch kontrovers diskutiert. Die Gründe sind die zunehmende Verschmutzung der Meere und die übermäßige steigende Nachfrage nach Fisch.

Insgesamt stammen etwa 53% der Fische aus Wildfängen und 47% aus Aquakulturen.

Die Verschmutzung mit Schadstoffen ist eines der größten Probleme der Meere. Schadstoffquellen sind unter anderem Arzneimittel, Schwermetalle, Pestizide, Mikroplastik, PCB und Dioxine aus Kläranlagen, großen Industriefabriken und der Landwirtschaft. Viele dieser Schadstoffe sind deshalb so gefährlich, da sie nicht oder sehr langsam abgebaut werden, sich in hohem Maße in Lebewesen anreichern und toxisch sind.

Die Anreicherung ist besonders stark bei räuberischen Arten, die ganz am Ende der Nahrungskette stehen (z.B. Haie, Thunfisch, Lachs).

Die Schadstoffkonzentration im Fettgewebe des Fisches kann bis zu einer Million Mal größer sein als die Konzentration im umgebenen Wasser.

Des Weiteren sind viele Schadstoffe fettlöslich und werden fast vollständig im Darm resorbiert und anschließend im Körper auf alle Gewebe verteilt. Die fettlösliche Eigenschaft ermöglich es den Schadstoffen leicht die Blut-Hirn-Schranke und Planzentaschranke zu überwinden.

Das Schwermetall Quecksilber kommt in Fischen und Meeresfrüchten hauptsächlich als das um ein vielfaches schädlichere Methylquecksilber (MeHg) vor. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) liegt die Quecksilberbelastung in Europa im oberen Bereich der internationalen anerkannten Sicherheitsgrenzwerte.

Die EFSA empfiehlt daher Kindern und schwangeren Frauen den Fischkonsum einzuschränken. MeHg reichert sich signifikant in der Hirnregion ab und schädigt dort Nervenzellen. Seine hohe neurotoxische Wirkung ist besonders gefährlich während der Zeit, wenn sich das Gehirn entwickelt.

Studien zeigten, dass der Konsum von MeHg-kontaminierten Fischen zu neurologischen Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern führte.

PCB und Dioxine sind krebserregend und fruchtschädigend. Das Kurzzeitgedächtnis und die Funktionsfähigkeit des optischen sensorischen Systems waren bei Kindern, deren Mütter PCB belastete Fische während der Schwangerschaft konsumierten, beeinträchtigt.

In neuster Zeit zeigen immer mehr Untersuchungen, dass viele Meerestiere mit Mikroplastik belastet sind. Durch ihre kleine Größe und die in ihnen enthaltenden Stoffe (zum Beispiel Bisphenol A) können sie Zellen im menschlichen Körper sowohl physikalisch als auch biochemisch schädigen. Besonders gefährlich ist Mikroplatik, da sie selbst Schadstoffe aus dem Wasser absorbieren und akkumulieren kann (zum Beispiel MeHg).

Der Konsum von Fisch ist obendrein ökologisch sehr umstritten. Etwa 33% der Bestände sind strark überfischt und können sich nur sehr schwer erholen.

Verbraucher vertrauen deshalb vermehrt auf Fische mit einem Ökosiegel wie das MSC-Siegel. Leider sind die Kriterien oft zu schwach und die Nachhaltigkeit des Produkts ist nicht gewährleistet. Laut einer Studie ist ein Drittel der zertifizierten Bestände trotzdem überfischt und/oder die verwendete Fangmethode zerstört das Ökosystem. Einige Experten kritisieren, dass beim MSC die Balance zwischen Naturschutz und Industrie nicht mehr gegeben sei.

Lange bestand die Hoffung, der Überfischung durch die Aquakultur entgegenzuwirken. Jedoch ist deren Ökobilanz bedenklich.

Für die Aquakultur werden jährlich etwa 20 Millionen Tonnen Wildfisch zu Fischmehl und -öl als Futter verarbeitet. Um 1 kg kommerziellen Speisefisch zu erhalten, werden im Mittel 2,1 kg Wildfisch benötigt.

Hinzukommt, dass der Flächenbedarf für große Aquakulturanlagen oftmals so ausufernd ist, dass andere Ökosysteme deshalb zerstört werden. Der massive Eintrag von Nährstoffen, Kotresten und Chemikalien aus den Fischkäfigen in das Gewässer verschlechtert die Wasserqualität und beeinträchtigt dort Flora und Fauna.

Ein gravierendes Problem ist zudem der prophylaktische Einsatz zahlreicher Antibiotika und anderen Medikamenten. Das schädigt nicht nur die Gesundheit von Mensch und Tier, sondern führt zu Bildung resistenter Keime. Zur Konservierung wird das Fischmehl mit dem von Monsanto entwickeltem DNA-schädigenden Pestizid Ethoxyquin behandelt. Eine Studie hat nachgewiesen, dass in vielen Zuchtfischen die Ethoxyquin-Belastung deutlich über der gesetzlich erlaubten Höchstmenge für Fleisch lag. Für Fisch gibt es bislang keine Grenzwerte.

Der ethische Aspekt des Fischkonsums wird oftmals nicht berücksichtigt. Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass Fische ein Schmerzempfinden besitzen. Die Fische werden während des Fangs in den Netzen zerquetsch und der langsame Tod durch das Ersticken verursacht großen Stress. Es gibt bislang keine adäquate Betäubungsmethode in der Fischerei und Aquakultur. Diese Tatsache ist eindeutig nicht mit dem Tierschutz zu vereinbaren.

Nach meiner Ansicht überwiegen die negativen gesundheitlichen, ökologischen und ethischen Aspekte die Vorteile des Fischkonsums. Um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken kann man alternativ zu Mikroalgenöl greifen. Fische selbst nehmen über die Nahrungskette diesen Nährstoff durch Algen auf. Die Gewinnung von Algenöl ist schadstofffrei, da sie oftmals in geschlossen Systemen gezüchtet werden. Insgesamt lässt sich sagen, dass ein Umdenken beim Fischkonsum stattfinden muss. Jedem Verbraucher sollte Bewusst sein, dass ein unbelasteter Fisch eine Seltenheit geworden ist.

Dr. Rini Kulke | Beraterin für ganzheitliche Gesundheit und vegane Ernährung

Den Artikel über das kontroverse Thema Fischkonsum habe ich für das BuchVegan für unsere Sprösslinge: Ratgeber & Kochbuch rund um die gesunde vegane Kinderernährung” von Carmen Hercegfi und Anna Maynert geschrieben. Carmen ist eine wahre Expertin für die vegane Ernährung von Schwangeren/Stillenden und Kindern. Ich kann Ihre Bücher wärmsten empfehlen.

Wenn Du meine Arbeit gerne Unterstützen möchtest, dann freue ich mich sehr über eine gesunde Leckerei via www.PayPal.me/drrinikulke

Menü schließen